Atelierbesuch in Flingern
Klefisch in der Wunderkammer
Von Dagmar Haas Pilwat für Rheinische Post

Düsseldorf (RP) Der Düsseldorfer Künstler erzählt mit Acrylfarben bunte, sinnenfrohe Geschichten. Comichefte zitiert er dabei ebenso wie Heiligenlegenden. “Ich stelle Fragen”, sagt er. Ein Atelierbesuch.

“Nie wäre ich auf die Idee gekommen, dass mein Thema so brandaktuell werden würde”, sagt Thomas Klefisch. Denn lange bevor sich die Diskussion um den Missbrauch an katholischen Internaten und Schulen entfachte, hatte er seinen Beichtstuhl gebaut und ihn “Babylon” getauft. Der Name ist Programm. Denn es geht um Verwirrung, Verstörung, Verwunderung: Barock-opulent ist das Skulptur-Gehäuse von außen bemalt – blühende Landschaften, auf den Kopf gestellte Kreuze, bildliche Zitate aus dem Evangelium des Johannes, Pin-up-Girls, eine Schlange.

Klefisch entwirft einen Ort des Unglaubens, der fleischlichen Gelüste und der Dekadenz. Zur Krönung ist der Beichtstuhl innen flammend rot beleuchtet. Er signalisiert nur eins: Sünde. Da hat es derjenige, der auf dem schmalen Holzbrett an der Seite niederkniet und auf die Absolution hofft, ganz schön schwer. Er muss sich mehr als nur körperlich verrenken.

Thomas Klefisch bezieht Stellung, kritisch-ironisch. Weniger polemisch und provozierend thematisiert er auch seine Sicht auf die Kirche und reflektiert Erfahrungen aus seiner Kindheit. Kein Wunder, dass auf den erstmals in einer Ausstellung gezeigten zehn großformatigen Gemälden (2,50 mal zwei Meter) aus dem Werkzyklus “Babylon 2010″ immer wieder Selbstporträts auftauchen: “Ich bin in einer typisch rheinisch-katholischen Familie aufgewachsen”, sagt der Düsseldorfer. “Da ging es nicht um Religiosität als spirituelle Bereicherung, sondern um Kirche als Institution, um gesellschaftliche familiäre Konventionen.” Und die stellt er in Frage, nicht den Glauben, nicht das Christentum.

In seinem Atelier in Flingern, einer ehemaligen Auto-Werkstatt, hat Thomas Klefisch zwischen alten Truhen voller Fundstücke ein Panoptikum des Schreckens und der unverhohlenen Lüsternheit mit Szenarien des Abgründigen versammelt. Da wetzt auf der Leinwand eine Matrone das Messer, eine kopflose Frau reitet auf einem Fisch, ein gehörnter Engel fliegt durchs Bild, Pinocchio hat einen Arm verloren, Drachen stürzen, die Madonna wirkt unverhohlen erotisch. Mit Acrylfarben erzählt der 44-Jährige bunte, sinnenfrohe Geschichten. Dabei werden Comichefte ebenso zitiert wie Heiligenlegenden. “Die Rätsel muss der Betrachter selbst lösen”, sagt er und betont: “Ich bin kein Karikaturist, ich stelle Fragen.”

Auch Jazz-Liebhaber kennen seine Arbeit. Denn seit zehn Jahren entwirft Thomas Klefisch Motiv, Programm und Plakat der Internationalen Düsseldorfer Jazz Rally.

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